S&P-Rating-Absturz und Apples OpenAI-Krieg: Oracle on fire?

Oracle-Anleger brauchen derzeit Nerven aus Drahtseilen! Erst verpasst die Ratingagentur S&P Global dem Cloud-Riesen eine schmerzhafte Bonitäts-Watsche, und kurz darauf reißt der eskalierende Rechtsstreit zwischen Apple und OpenAI die Aktie tief mit ins Minus. Während das Papier rund 58 % unter seinem historischen Hoch notiert, stellt sich für uns an der Börse nur eine Frage: Ist das die ultimative Value-Einstiegschance oder greifen wir hier direkt in eine herabfallende Kettensäge?

Die aktuelle Lage

Hinter den Kulissen von Oracle brodelt es gewaltig. Der Aktienkurs rutschte in den letzten Tagen um über 6 % auf rund 131,80 USD ab. Damit spitzt sich der Abwärtstrend zu: Die Aktie hat seit ihrem Allzeithoch von 345,72 USD im September letzten Jahres mehr als die Hälfte an Wert verloren.

Was ist passiert?

  1. Das S&P-Beben: Am 10. Juli stufte S&P Global die Kreditwürdigkeit von Oracle von BBB auf BBB- herab. Oracle wackelt damit nur noch eine einzige Stufe über dem gefürchteten Ramsch-Status (Junk). Der Grund ist die unfassbare Erhöhung der Investitionsausgaben (CapEx) für das Geschäftsjahr 2027 auf astronomische 90 bis 95 Milliarden USD (zuvor waren 60 Milliarden geplant). Das führt laut S&P zu einem massiven freien Cashflow-Defizit von fast 42 Milliarden USD.
  2. Die OpenAI-Sippenhaft: Zu allem Überfluss hat Apple eine schwere Trade-Secret-Klage gegen OpenAI eingereicht. Der Vorwurf: OpenAI soll systematisch iPhone-Betriebsgeheimnisse gestohlen haben, um eigene Hardware zu entwickeln. Da OpenAI schätzungsweise die Hälfte des gigantischen Oracle-Auftragsbestands von 638 Milliarden USD ausmacht, zittern die Anleger nun vor einem juristischen oder finanziellen Kollaps des wichtigsten Oracle-Kunden.

Das Paradoxe: Operativ läuft es bei Oracle eigentlich wie am Schnürchen. Das Geschäftsjahr 2026 wurde mit einem Rekordumsatz von 67,4 Milliarden USD (+17 %) und einem Nettogewinn von 17 Milliarden USD (+37 %) abgeschlossen. Besonders das KI-Musterkind OCI (Oracle Cloud Infrastructure) explodierte im vierten Quartal um sagenhafte 93 % auf 5,8 Milliarden USD. Zudem notiert das KGV (P/E) mit aktuell 23,9x auf einem 5-Jahres-Tief und deutlich unter dem Branchenschnitt von fast 28x.

Bull-Case vs. Bear-Case

Warum der Kurs explodieren könnte (Bull-Case):

  • Fundamental spottbillig: Mit einem KGV von rund 24x ist die Aktie im historischen Vergleich und gegenüber anderen KI-Profiteuren massiv unterbewertet. Die Wachstumsdynamik im Cloud-Bereich (+93 % bei OCI) rechtfertigt eigentlich deutlich höhere Multiples.
  • Monströser Backlog: Ein vertraglich gesicherter Auftragsbestand (RPO) von 638 Milliarden USD (+363 % im Vorjahresvergleich) ist ein absolutes Umsatzbrett, das Oracle über Jahre hinweg stabiles Wachstum garantiert.
  • Charttechnisch reif für den Rebound: Der Relative Strength Index (RSI) ist im kurzfristigen Bereich unter 30 gefallen. Die Aktie ist extrem überverkauft, was statistisch sehr häufig eine heftige Gegenbewegung nach oben einleitet.

Warum ein Absturz droht (Bear-Case):

  • Bedrohliches Klumpenrisiko OpenAI: Wenn OpenAI durch die Apple-Klage ins Straucheln gerät, weite Teile seiner geplanten Finanzierungsrunden platzen oder die Nachfrage wegbricht, sitzt Oracle auf gigantischen, extrem teuren Rechenzentrum-Kapazitäten, die niemand bezahlt.
  • Kredit-Klemme durch Cash-Burn: Ein prognostiziertes Cashflow-Defizit von 42 Milliarden USD schränkt den finanziellen Spielraum massiv ein. Steigen durch das BBB- Rating die Zinskosten weiter, frisst das die Gewinne der kommenden Jahre auf.
  • Intensiver Preiskampf: Tech-Giganten wie Microsoft, AWS und Google schlafen nicht und könnten Oracles Margen im Cloud-Sektor durch massive Rabattschlachten unter Druck setzen.

Kurzfrist-Prognose (1-4 Wochen)

Kurzfristig bleibt die Lage für Oracle-Trader ein wilder Ritt. Der charttechnische Abwärtskanal ist intakt, und das S&P-Downgrade drückt weiter auf die Stimmung der Marktteilnehmer.

Oracle testet aktuell die extrem kritische Unterstützungslinie zwischen 131 USD und 137 USD. Sollte diese Bastion fallen, müssen wir uns auf einen weiteren Rutsch in Richtung der psychologisch wichtigen Marke von 120 USD einstellen.

Allerdings: Da der RSI im tief überverkauften Bereich notiert, rechne ich auf Sicht der nächsten 14 Tage mit einer technischen Gegenreaktion (Rebound) zurück in Richtung 145 USD – vorausgesetzt, es sickern keine weiteren Hiobsbotschaften aus dem Apple-OpenAI-Prozess durch.

  • Risikoeinschätzung der Prognose: 4/5 (Sehr hohes Risiko. Die Aktie wird derzeit fast ausschließlich von Schlagzeilen und externen Rechtsstreitigkeiten getrieben, was fundamentale Analysen kurzfristig aushebelt).

Fazit für Anleger

Oracle ist derzeit nichts für schwache Nerven. Wer an die langfristige Vormachtstellung von OpenAI glaubt und die gigantische Pipeline von 638 Milliarden USD als bare Münze nimmt, findet hier eine historisch günstige Einstiegsgelegenheit, die es so schnell nicht wieder geben wird. Wer jedoch Angst vor dem gigantischen Schulden- und Investitionsberg sowie dem Klumpenrisiko OpenAI hat, bleibt besser an der Seitenlinie.

Was denkt ihr? Ist der tiefe Fall von Oracle die ultimative Nachkaufchance oder sehen wir hier das langsame Platzen der KI-Blase? Schreibt mir eure Meinung unbedingt in die Kommentare!

Disclaimer: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Aktieninvestments bergen hohe Risiken. Recherchiere immer selbst, bevor du investierst.

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