Vom „brennenden Bahnsteig“ zum absoluten High-Flyer am europäischen Aktienmarkt: Die Rolls-Royce Holdings hat unter CEO Tufan Erginbilgic ein Comeback hingelegt, das in die Finanz-Lehrbücher eingehen wird. Doch nach einer gigantischen Kursrallye stellen sich Anleger nun die drängende Frage: Ist bei dem britischen Triebwerksbauer jetzt die Luft raus, oder zünden wir gerade erst die nächste Stufe?
Die aktuelle Lage
In den letzten 72 Stunden dominieren weiterhin extrem bullische Nachrichten das Sentiment rund um Rolls-Royce. Die Flugstunden im zivilen Luftfahrtsektor (Civil Aerospace), der mit Abstand wichtigsten Einnahmequelle des Unternehmens, haben das Vor-Corona-Niveau von 2019 nachhaltig überschritten. Besonders die lukrativen Langstreckenflieger, die von den margenstarken Trent-XWB-Triebwerken angetrieben werden, verzeichnen eine massive Auslastung, was das Service- und Wartungsgeschäft antreibt. Die jüngsten Zahlen bestätigten den Turnaround eindrucksvoll: Der freie Cashflow explodierte, die Margen haben sich drastisch verbessert und die von Anlegern lang vermisste Dividende wurde reaktiviert.
Betrachtet man die Bewertung, notiert Rolls-Royce aktuell bei einem Forward-KGV (P/E) von rund 25 bis 28 und einem KUV (P/S) von knapp unter 2. Die Aktie ist damit zwar kein klassisches Value-Schnäppchen mehr, wird im Branchenvergleich mit US-Konkurrenten wie GE Aerospace jedoch immer noch mit einem leichten Abschlag gehandelt. Charttechnisch sehen wir eine starke Konsolidierung auf sehr hohem Niveau. Der RSI (Relative-Stärke-Index) hat sich nach einer wochenlangen überkauften Phase zuletzt etwas abgekühlt und notiert im gesunden Bereich um die 55. Starke Unterstützung findet das Papier (an der Londoner Heimatbörse) bei der Marke von 420 bis 450 GBp, während der nächste massive Widerstand beim jüngsten Rekordhoch jenseits der 500 GBp liegt.
Das Makroumfeld spielt Rolls-Royce weiterhin massiv in die Karten: Explodierende globale Verteidigungsbudgets und ein starkes politisches Momentum für SMRs (Small Modular Reactors) im europäischen Nuklearsektor befeuern die Fantasie der Analysten. Dementsprechend ist der Tonfall der Top-10-Nachrichten zu 80 % bullish und zu 20 % neutral (fokussiert auf allgemeine Lieferkettenprobleme in der Branche).
Bull-Case vs. Bear-Case
- Warum der Kurs explodieren könnte (Bull-Case): Das anhaltend starke „Pricing Power“ im Wartungsgeschäft (MRO) spült verlässliche Gewinne in die Kassen. Zudem wirken die globalen Aufrüstungsprogramme (inklusive des AUKUS-U-Boot-Deals) sowie konkrete Fortschritte bei der Finanzierung und Zulassung von Mini-Atomkraftwerken (SMRs) in Europa als gewaltige Wachstumskatalysatoren, die noch nicht vollständig eingepreist sind.
- Warum ein Absturz droht (Bear-Case): Die globale Lieferkette in der Luft- und Raumfahrt bleibt extrem fragil. Ein Engpass bei Titan oder anderen kritischen Bauteilen könnte die ambitionierten Auslieferungsziele kurzfristig gefährden. Zudem ist mittlerweile viel Perfektion im aktuellen Aktienkurs eskomptiert – jede noch so kleine Verfehlung bei den kommenden Earnings oder ein Einbruch im globalen Reiseverkehr könnte zu brutalen Gewinnmitnahmen führen.
Kurzfrist-Prognose (1-4 Wochen)
Kurzfristig erwarte ich eine Fortsetzung der charttechnischen Konsolidierung mit einer klaren Tendenz nach oben. Die Aktie sammelt aktuell sichtlich Kraft für den nachhaltigen Ausbruch über die magische 500-Pence-Marke (bzw. das entsprechende ADR-Äquivalent am US-Markt). Solange keine makroökonomischen Schocks eintreten, bleibt der Trend aus „Higher Highs und Higher Lows“ intakt. Das institutionelle Momentum ist ungebrochen, da große Banken den Kurs durch kontinuierliche Rating-Upgrades stützen.
Risikoeinschätzung der Prognose: 3. (Mittleres Risiko. Der zugrundeliegende operative Trend ist zwar extrem stark, aber die außergewöhnlich steile Rallye der letzten 18 Monate macht die Aktie technisch anfällig für kurzfristige, marktbreite Rücksetzer im aktuellen Zinsumfeld).
Fazit für Anleger
Rolls-Royce hat eindrucksvoll bewiesen, dass der viel zitierte Turnaround mehr als nur ein leeres Versprechen war. Das Unternehmen generiert massiven Cashflow und ist in strategisch hochrelevanten Zukunftsbranchen (Zivilluftfahrt, Verteidigung, Nuklearenergie) exzellent für das laufende Jahrzehnt positioniert. Was denkt ihr? Ist die Aktie nach der Rallye mittlerweile zu teuer geworden, oder greift ihr bei jedem kleinen Dip weiter beherzt zu? Schreibt eure Strategie jetzt in die Kommentare!
*Disclaimer: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Aktieninvestments bergen hohe Risiken. Recherchiere immer selbst, bevor du investierst.*

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