Dividendenkönig mit Altlasten: Die unterschätzte Gefahr für die J&J-Aktie

Der defensive US-Gigant Johnson & Johnson (J&J) steht an einer entscheidenden Weggabelung: Während die Abspaltung des Konsumgütergeschäfts (Kenvue) erfolgreich abgeschlossen ist und die Medizintechnik-Sparte durch Milliarden-Zukäufe boomt, schwebt das juristische Damoklesschwert der jahrzehntelangen Babypuder-Klagen weiterhin über dem Konzern. Anleger fragen sich jetzt, ob die Aktie des Dividendenkönigs vor dem nächsten großen Ausbruch steht oder ob die Altlasten den Kurs weiter ausbremsen.

Die aktuelle Lage: Transformation und solide Quartalszahlen

Nach der erfolgreichen Abspaltung der Konsumgüter-Sparte fokussiert sich Johnson & Johnson nun vollständig auf die margenstarken Segmente Innovative Medicine (Pharma) und MedTech (Medizintechnik). Die jüngsten Quartalszahlen untermauerten die Stärke dieses neuen, fokussierten Geschäftsmodells: J&J konnte den Umsatz im letzten Quartal auf Jahressicht um 4,3 Prozent auf 22,4 Milliarden US-Dollar steigern, angetrieben durch Kassenschlager wie das Krebsmedikament Darzalex und ein starkes Wachstum im MedTech-Bereich.

Besonders die jüngste Akquisition von Shockwave Medical für rund 13,1 Milliarden US-Dollar zeigt, dass J&J gewillt ist, seine Marktführerschaft in der Kardiologie aggressiv auszubauen. Fundamental ist die Aktie mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 15,2 im historischen Vergleich attraktiv bewertet. Zudem lockt eine Dividendenrendite von aktuell rund 3,1 Prozent – J&J hat seine Dividende nunmehr seit 62 Jahren in Folge angehoben und gehört damit zum exklusiven Club der Dividendenkönige.

Im Bereich der Charttechnik hat sich die Aktie nach einer längeren Konsolidierungsphase stabilisiert. Die wichtige Unterstützungslinie im Bereich von 155 bis 158 US-Dollar hielt zuletzt stand. Der Relative Strength Index (RSI) notiert im neutralen Bereich bei etwa 50 Punkten, was weder auf eine Überkauftheit noch auf eine Überverkauftheit hindeutet und Raum für Bewegung in beide Richtungen lässt.


Bull-Case vs. Bear-Case

Warum der Kurs explodieren könnte (Bull-Case):

  • Fortschritte beim Talkum-Vergleich: J&J arbeitet intensiv an einem vorgeschlagenen Vergleich in Höhe von rund 6,48 Milliarden US-Dollar über 25 Jahre, um rund 99 Prozent der verbleibenden Eierstockkrebs-Klagen beizulegen. Sollte dieser Vergleich endgültig gerichtlich abgesegnet werden, würde dies eine massive Erleichterungsrallye auslösen, da das größte Rechtsrisiko der Firmengeschichte vom Tisch wäre.
  • Starke Pipeline und M&A-Synergien: Die Integration von Shockwave Medical und die starke Performance von Medikamenten wie Carvykti (Zelltherapie) bieten erhebliches Wachstumspotenzial, das vom Markt derzeit noch nicht voll eingepreist ist.
  • Flucht in Qualität: In einem volatilen Marktumfeld mit makroökonomischen Unsicherheiten und geopolitischen Spannungen ist Johnson & Johnson als hochgradig defensiver Blue Chip mit AAA-Kreditrating ein sicherer Hafen für Investoren.

Warum ein Absturz droht (Bear-Case):

  • Patentklippe bei Stelara: Das umsatzstarke Immunologie-Medikament Stelara verliert in Europa und den USA schrittweise seinen Patentschutz. Der drohende Wettbewerb durch Biosimilars könnte ab Ende 2024 und verstärkt 2025 die Margen belasten, wenn neue Blockbuster diese Lücke nicht schnell genug schließen.
  • Rückschläge bei den Klagen: Sollte der geplante Insolvenz-Vergleich für die Talkum-Klagen erneut von den Gerichten blockiert werden oder die erforderliche 75-Prozent-Zustimmung der Kläger verfehlen, drohen weitere Jahre teurer Rechtsstreitigkeiten und unkalkulierbare Schadensersatzzahlungen.
  • Staatliche Preisregulierung: Die Preisverhandlungen im Rahmen des US-amerikanischen Inflation Reduction Act (IRA) betreffen auch Medikamente von J&J (wie das Blutverdünnungsmittel Xarelto und Stelara), was den Preisdruck im wichtigen US-Heimatmarkt erhöht.

Kurzfrist-Prognose (1-4 Wochen)

Für die kommenden Wochen ist bei der Aktie von Johnson & Johnson mit einer volatilen Seitwärtsbewegung zu rechnen. Die charttechnische Barriere liegt bei ca. 166 bis 168 US-Dollar. Ein nachhaltiger Ausbruch über diese Marke benötigt fundamentale News bezüglich des Talkum-Vergleichs. Nach unten hin ist die Aktie durch die Marke von 158 US-Dollar sowie die anhaltenden Aktienrückkäufe und die starke Dividenden-Stütze gut abgesichert.

Das kurzfristige Momentum zeigt leichte Aufwärtstendenzen, da sich defensive Sektoren im aktuellen Marktumfeld wieder größerer Beliebtheit erfreuen. Dennoch sollten Trader die Nachrichtenlage rund um die US-Gerichtsprozesse genauestens im Auge behalten.

Risikoeinschätzung der Prognose: 2 von 5 (Das Risiko, dass die Aktie massiv einbricht, ist aufgrund des defensiven Geschäftsmodells sehr gering. Überraschende juristische Rückschläge könnten jedoch kurzfristig zu erhöhter Volatilität führen.)


Fazit für Anleger

Johnson & Johnson bleibt ein Fels in der Brandung für jedes langfristig orientierte Depot. Die Transformation zum reinen Pharma- und Medizintechnikkonzern trägt Früchte, und die Bewertung ist im Branchenvergleich moderat. Für konservative Dividendenjäger ist die Aktie auf dem aktuellen Niveau ein solider Kauf. Wer jedoch schnelle Kursgewinne sucht, muss sich gedulden, bis die rechtlichen Risiken endgültig ausgeräumt sind.

Was denkt ihr über Johnson & Johnson? Ist die Aktie für euch ein sicherer Hafen im Depot oder schrecken euch die juristischen Altlasten ab? Kaufen oder Finger weg? Schreibt es in die Kommentare!


Disclaimer: Dieser Beitrag dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Aktieninvestments bergen hohe Risiken. Recherchiere immer selbst, bevor du investierst.

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